Braucht Gott Häuser? Neue Perspektiven zur religiösen Bedeutung von «Gotteshäusern»

Mai 4, 2017 |

Wie weiter mit den Kirchengebäuden in der Schweiz? Viele Kirchgemeinden stehen vor grossen Herausforderungen. Die absehbaren Kosten für Pflege und Sanierung von Kirchengebäuden drohen Kirchgemeinden und Kantonalkirchen zu erdrücken.

Hier sind differenzierte Nutzungsanalysen und Kriterien für die Immobilieninvestitionen gefragt. Bislang gibt es jedoch kaum ausreichende Kenntnisse über die Nutzungen und Nutzungspotenziale von Kirchengebäuden. Diese Wissenslücke – nicht zuletzt über neue religiöse Nutzungspotenziale kirchlicher Gebäude jenseits hergebrachter Formen – war ein Thema der ökumenischen Fachtagung „Braucht Gott Häuser“ an der diesjährigen BEA-Ausstellung in Bern am 3. Mai 2017.

Seitens des SPI stellte Arnd Bünker die Frage der Gegenwartsrelevanz von „Gotteshäusern“ in den Kontext aktueller religionssoziologischer Beobachtungen. Im Blick auf allgemeine Veränderungen der Religions- und Religiositätslandschaft der Schweiz werden Bedeutungsverschiebungen im Blick auf Gotteshäuser sichtbar. Gotteshäuser können z.B. auch heute „Freiheitsräume“ mit grosser Bedeutung für die ganze Gesellschaft sein.

Diese religionssoziologische These wird durch qualitative Forschungserkenntnisse des SPI über individuelles Kirchenraum-Nutzungsverhalten untermauert. Allerdings zeigt sich dabei auch, dass die in der religiösen Praxis des individuellen Umgangs vieler Menschen mit Gotteshäusern beobachtbaren Formen bislang kaum kirchlich reflektiert und pastoral aufgegriffen werden.

Für die anstehenden Immobilien-Strategien in Kirchgemeinden und Landeskirchen zeigt sich, dass der aktuelle Wissensmangel und das Forschungsdesiderat bezüglich religiöser Nutzungsformen von Kirchengebäuden zu einer grossen Einengung von Handlungsspielräumen im Umgang mit diesen Gebäuden führt. Nicht zuletzt wird deutlich, dass gute Lösungen im Umgang mit Kirchengebäuden vernetzte Anstrengungen voraussetzen. Nur in der Kooperation der Kirchgemeinden lassen sich die notwendigen Ressourcen für die langfristig tragfähige Forschungs- und Konzeptarbeiten finden.

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